Vom Don zur Wolga

Mandolinen wurden zu Balalaikas

NRZ Dinslaken, 26.01.2009, BETTINA SCHACK

KONZERT. Die Schwarzmeer Don Kosaken begleiteten am Sonntag eine musikalische Reise "vom Don bis zur Wolga".

  Das Mandolinenorchester "Harmonie" Dinslaken-Barmingholten spielte gekonnt und mit viel "russischer Seele". (Foto: H.K.) Foto: NRZ

DINSLAKEN. Mandolinen oder Balalaikas? Wer am Sonntagnachmittag in der Kathrin-Türks-Halle die Augen schloss, konnte sich beim tremolierenden Klang der russischen Weisen nicht so ganz sicher sein. Die Gewissheit kam erst beim Blick auf die Bühne wieder. Zwar wirkte der verschneite Zwiebelturm der alten St. Vincentius-Kirche auf dem Bühnenprospekt nie zaristischer als vorgestern unter dem Schriftzug "Vom Don zur Wolga", aber die Musikerinnen und Musiker davor sahen doch sehr vertraut aus. Das Mandolinenorchester "Harmonie" 1931 Dinslaken-Barmingholten lud zum russischen Nachmittag. Auf dem Programm standen Werke mit osteuropäischen Bezug, und zur Unterstützung hatte es neben dem Quintett des Akkordeonorchesters Dinslaken-Oberhausen Gäste vom Don engagiert. Die zehn Sänger des Schwarzmeer Don Kosaken unter der Leitung von Wladimir Koslowsky brachten geistliche und folkloristische Vokalkunst mit.

Hohes Niveau

Die Idee keimte, als sich Mandolinenorchester und Schwarzmeer Don Kosaken bei einem Konzert des Volkschores kennen lernten. Nun war es soweit, das Publikum strömte in Scharen. Wen wundert´s, dass sich nach der Zugabe eine "Nach dem Konzert ist vor dem Konzert"-Stimmung einstellte. Die Zusammenarbeit soll fortgesetzt werden.

Zusammenarbeit: auch ein Stichwort für Johannes Burgard. Ausdrucksvoll, mit distinguiertem Ton und präzisem Zusammenspiel bot das Akkordeonquintett überzeugende Leistungen. Fingerfertigkeit und Gefühl bewies Burgard ebenso als Solist mit dem Mandolinenorchester.

Michael Jakob leitete es souverän durch Wolgaklänge, einen äußerst harmonischen Schostakowitsch und durch "Anatevka". Ein ganzer Block war dem Musical gewidmet. Fulminanter Abschluss des ersten Teils: "Schwarze Augen" mit Johannes Burgard und einem wie immer auf hohem Niveau spielenden Mandolinenorchester.

Geistliche Gesänge

Der Bass dröhnt. Über den durchdringenden, endlos scheinenden Ton legen sich rhythmisiert vorgetragene Silben, dann erhebt sich eine Melodie. Sie steigt an, wird kräftiger, fällt auf den Grundton zurück, verklingt. Ein weiterer Basston kommt hinzu, festigt das musikalische Fundament für einen neuen Melodiebogen aus kehligen Stimmen.

Mystisch klingt dieser Mönchsgesang des 14. Jahrhunderts, in dem Kirchengesang und archaische osteuropäische Gesangstechniken verschmelzen. Geistliche Gesänge sind die eine Seite des Repertoires der Schwarzmeer Don Kosaken. "Ich bete an die Macht der Liebe" und die "Abendglocken" dürfen in keinem Konzert fehlen. Heiter ging es nach der Pause weiter. Mit Akkordeon und wie Kastagnetten gegeneinander geschlagene Löffel brachte der Chor dem Publikum russische Folklore näher. Und auch, wenn man die Worte der Solisten nicht verstand, der Spaß kam ´rüber.

Prächtig das Zusammenwirken von Chor und Orchester im großen Finale. Und zu guter Letzt band Wladimir Koslowsky auch noch das Publikum mit ein. Er ließ es einen kompletten Refrain der Zugabe "Kalinka" alleine singen.